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Grundlagen der menschlichen Kommunikation

Um das Thema zu beginnen, möchte ich zuerst einmal die beiden Begriffe "agile" und "transformation" erläutern.

agile transformation

transformation bedeutet: von einem gegebenen IST-Zustand zu einem gewollten SOLL-Zustand zu gelangen.

agile bedeutet: Die Anforderungen an das SOLL möglichst genau definieren und in agilen Schritten versuchen zu erreichen. Dabei wird mit einem gewissen Informationsbestand begonnen und der erste Schritt gemacht. Dieser Schritt, und alle folgenden, werden durch agile Methoden unterstützt. Nach Erreichen des ersten Schrittes ist die Informationsbasis breiter geworden. Damit wird auch der Entscheidungsraum erweitert (je mehr Information - desto "besser" die Entscheidungen) und damit wird der nächste Schritt (geplant/gesteuert) getan. Dadurch vergrößert sich wieder die Informationsbasis und damit der Entscheidungsraum. Dies geschieht bei jedem Schritt, auch wenn er in eine falsche Richtung gegangen wird. Dieser Fehler kann erkannt und rückgängig gemacht werden. Anschliessend kann der Schritt in eine andere Richtung erfolgen oder weiter in die vorherige. Je nach Entscheidungsraum. Es ist somit klar, das die Informationsbasis die wichtigst Komponente in der Agilität ist. Damit aus dieser Informationsbasis eine Entscheidungsbasis wird, müssen die Informationen transparent sein.

Transparenz

Transparent bedeutet "durchlässig/durchscheinend", also gewissermaßen sind Informationen fluide, und meint: je mehr Informationen den Entscheiderinnen zur Verfügung stehen, desto bessere Entscheidungen können sie treffen.

Diese Transparent wird über Kommunikation hergestellt und ist ein aktiver Prozess. Aber was ist denn Kommunikation überhaupt?

Kommunikation

Kommunikation ist das Kodieren, Senden, Transportieren, Empfangen, DeKodieren, Verarbeiten und Verstehen von Informationen zwischen zwei Kommunikationspartnerinnen. Um ein Bild dazu zu haben, stelle ich mir gerne ein paketorientierte Netzwerke (TCP/IP) vor. Dort werden die von einem User/Client erzeugten und zur übermittlung bereit gestellten Informationen zuerst kodiert, dann an ein transparentes Netzwerk übertragen, von diesem in Richtung Empfängerin transportiert, bis die Information dort empfangen werden kann. Wenn die Empfängerin diese Information annehmen möchte, tut sie das, decodiert und verarbeitet diese, um anschliessend die Informationen zum Verstehen an den User/Client zu übergeben.

In der Mensch-zu-Mensch Kommunikation funktioniert es im Grunde genau so. Allerdings gibt es hier einige Parameter die wir betrachten müssen.

multi-dimensionalität

Zuerst einmal ist das Übertragungsmedium ("Netzwerk") bei der Mensch-zu-Mensch Kommunikation multi-dimensional. Es existiert die Dimension "verbal" und die Dimension "non-verbal".

verbal und non-verbal

Verbal bedeutet: mündliche, schriftliche, bildliche Kommunikation.
Non-Verbal bedeutet: Körpersprache, Mimik, Emotionen.

Die Verarbeitung der verbalen Kommunikation erfolgt im Großhirn und somit im Bewußtsein.
Die Verarbeitung der non-verbalen Kommunikation erfolgt im Limbischen System und hat erst danach die Möglichkeit ins Bewußtsein zu gelangen.

limbisches System

Bei meiner Vorstellung vom limbischen System folge ich zum einen dem aktullen Stand in der Forschung (siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Limbic_system#Function), vor allem aber den Ausführungen von Christian Ankowitsch in seinem Buch: Generation Emotion – Die Zukunft der Gefühle und wie sie uns steuern (2002) S. 54-57.

Dort wird beschrieben das es drei Zonen im limbischen System gibt. Einmal eine Zone für das Unbewußte. Das stelle ich mir vor wie einem Adapter zu allen möglichen Körper- und Sinnesempfindungen. Es laufen dort also alle Informationen ein. Wie z.B.: kritischer Füllstand der Blase erreicht. Damit diese Information nun aus dem Unbewußten weiter gegeben werden kann, um eine Handlung einzuleiten, sollte diese Information eine gewisse Priorität haben. Die Entscheidung zur Priorität wird bereits im Unterbewußtsein getroffen.

Die zweite Zone wird emotionales Gedächtnis genannt. Dort werden alle aus dem Unterbewußten gelangten Impulse emotional eingefärbt. In ihm sind alle unsere Erfahrungen gespeichert, dies geschieht mit Unterstützung einer emotionalen Färbung. Um bei dem Beispiel mit dem Füllstand der Blase zu bleiben: wenn z.B. die betreffende Person in einem Meeting sitzt, dann könnte die emotionale Färbung so erfolgen:
"Ich befinde mich gerade in einem Meeting. Ich habe gelernt das es üblicherweise nicht passt während eines Meetings auf die Toilette zu gehen. Außerdem sitze ich gerade ungünstig und könnte beim Hinausgehen die anderen stören. Impuls deshalb zurück stellen, bitte später noch einmal melden"

In der dritten Zone ist das Bewußtsein. Also die Instanz, die über die Ausführung der emotional gefärbten Impule bewußt entscheiden kann.

Das limbische System ist somit verantwortlich für unser Handeln. Es sitzt zwischen Unbewußtem und Bewußtem und entscheidet welcher Impuls ohne Bewußtsein ausgeführt wird, z.B. der Reflex einen heran fliegenden Ball zu fangen, und welche mit, wie z.B. auf die Toilette gehen.

Das bedeutet wiederrum, je nach emotionaler Färbung wird der Impuls in die eine oder andere Richtung ausgeführt. Ist eine "freudige" Emotion hinterlegt, wird der Impuls gerne ausgeführt. Bei einer "beängstigenden" Färbung wird der Impuls entweder unterdrückt oder ohne Freude ausgeführt.

Analogie zur Informationstechnologie

Da ich hierzu selbst ein Bild benötige, habe ich folgende Analogie zur Informationstechnologie:

  1. Ganz unten im Stack ist die Hardware. Unser Körper und das zentrale Nervensystem. Dort gibt es diverse Bestandteile und quasi "eingeätzte" Nervenbahnen für die Informationsübermittlung.
  2. Das Stammhirn hat in diesem Bild die Aufgabe eines BIOS. Dort sind alle hardwarenahen Funktionen, wie z.B. Atmung, Steuerung des Herzschlages und so weiter. Diese Ebene stellt eine "API" bereit, die von höheren Hirnfunktionen benutzt werden kann.
  3. Darüber sitzt das Kleinhirn, hier sehe ich das limbische System. Bitte sehen Sie das nur als Bild, in der Realität ist das viel komplexer! Das Stammhirn ist wie der Kernel im Betriebssystem. Es ist der zentrale Punkt für alle weiteren Funktionen. So gibt es "Systemcalls", aka Handlungen, die "maskiert" werden, analog der Zugriff und das öffnen einer Datei, die also in der Koordination wesentlich komplexer sind, aber per API ausgeführt werden können. z.B. der Systemcall Hand heben beinhaltet eine ganze Reihe von Koordination, die vor unserem Bewußtsein komplett maskiert sind. Für die tägliche Routine ist das ein sehr großer Vorteil.
    Der Handlungsspielraums des Kernels kann sich im Menschen per "maschine-learning", aka lernen, selbst weiter entwickeln.
  4. Wie bei einem Betriebssystem wird der Kernel quasi durch eine Shell angesprochen. Diese Shell sehe ich anologisch im Großhirn, ebenso wie alle weiteren Userspace Werkzeuge. z.B. gibt es dort das Werkzeug Rad fahren bewußt benutzen, um mit dem Rad von Punkt A zu Punkt B zu gelangen.
    Zusätzlich gibt es in der Informationstechnologie einen User und dieser benutzt nun die Werkzeuge mit seiner eigenen Motivation. In dieser Analogie ist dies das Bewußtsein.

Freude und Angst

Diese beiden Emotionalen Grundzustände "Freude" und "Angst" sind für den Menschen eine der untersten Entscheidungsebene, gleich nach "Flucht" oder "Kampf", weil diese Emotionen unser überleben sichern. Wenn die Grundfärbung "Freude" mit einer Information aus dem Unbewußten verknüpft wird, dann sichert dieser Impuls unser überleben. Wenn also z.B. die Information Da hängt ein Apfel am Baum der Reif aussieht und ich habe einen Apfel dieser Art bereits gegessen. Mein Magen meldet außerdem einen leeren Zustand in unserem Unbewußten auftaucht und dieser Impuls beim Durchgang durch das limbische System in Richtung Bewußtsein geht, denn dort muß ja entschieden werden, ob der Apfel gepflügt wird oder hängen bleibt, dann wird z.B. die emotionale Färbung der Apfel war damals lecker, mit Unterstützung aus dem emotionalen Gedächtnisspeicher, gesetzt und in dieser Kombination weiter gegeben.
Im Bewußtsein, also im Großhirn, wird dieser Impuls dann ausgewertet und ggf. mit der Rekombination weiterer Gedächtnisinhalte, wie z.B. Der Apfel befindet sich in Griffweite und ich habe die gute Erfahrung gemacht das ich ihn mir ohne viel Energieaufwand nehmen kann, zur Ausführung gebracht oder eben nicht.
Diese Entscheidungen geschehen üblicherweise so schnell, das selbst die bewußten Inhalte nicht in unserem "bewußten" Bewußtsein landen. Zumeist gelangt nur die Ausführung des Impulses dort hinein.

Das selbe Prinzip gilt für die Grundfärbung "Angst". Die Einfärbung eines Impulses mit dieser Grundstruktur soll uns von einer Handlung abhalten, denn diese sichert nicht unser überleben. Bedeutet also eher: Tod.

Da wir nun die multi-Dimensionalität betrachtet haben, können wir nun das De-/Kodieren betrachten.

Kodieren und Dekodieren

Das Kodieren und Dekodieren der Informationen geschieht ebenso in Verbindung mit dem limbischen System.

Dazu werden vor der Informationsübermittlung die Rahmenparameter zwischen den beiden Partnerinnen vereinbart. Dies geschieht in einem sehr kurzem Zeitfenster, die Informationsübertragung kann damit jedoch entweder verstärkt oder gehemmt werden. Dazu werden die non-verbalen Informationen im limbischen System ausgewertet und anhand dieser Daten entschieden ob der Kommunikationspartnerin vertraut wird.

Wenn die Partnerin als vertrauensvoll klassifiziert wird, dann wird die Kommunikation vom limbischen System eher mit "Freude" eingefärbt.
Wird sie als nicht vertrauensvoll eingestuft, erfolt diese Färbung eher nicht.

Prägung von Hirnstrukturen

Beim Heranwachsen des Embrios im Mutterleib beginnt ab ca. der 7 Woche die Ausbildung der Gehirnstrukturen. Diese werden in Abschnitten herangebildet. So gibt es z.B. ein Zeitfenster für das räumliche Sehen (vgl. Youtube: Vera Birkenbihl - Männer und Frauen). Wird in genau diesem Zeitfenster von der Mutter Testosteron ausgeschüttet, dann wird dieser Bereich eher "männlich" geprägt. Wird kein Testosteron von der Mutter produziert, erfolgt die Strukturierung eher "weiblich".

"männlich" bedeutet in diesem Zusammenhang: Kommunikation in Strukturen.
"weiblich": Kommunikation in Netzwerken

Da diese Ausprägungen der Hirnstrukturen sowohl bei genetisch weiblich, als auch bei genetisch mänlich definierten Personen im selben Maße vorhanden ist, sind in beiden immer beide Formen der Prägung vorhanden.

Ergo benötigt eine gut funktionierende Kommunikation immer die Möglichkeit für beide Ausprägungen: Struktur und Netzwerk

Sprache

Die Sprache an sich entstand vor ca. 100.000 Jahren. Die Gattung Homo entwickelte sich vor ca. 2 bis 3 Millionen Jahr. Da diese Gattung seit jeher in Gruppen zusammen lebte, gehe ich davon aus, das in dieser Zeit, Sprache war ja noch nicht vorhanden, non-verbal kommuniziert wurde.

Das bedeutet: die Verwendung non-verbaler Kommunikation ist seit mindestens 2 Millionen Jahren Bestandteil der Existenz des Menschen, werden weiter Abstammungsbeziehungen verwendet, vergrößert sich dieser Zeitraum immens. Wenn wir f¨r die Modellvorstellung nur mal die 2 Millionen Jahre angenommen, dann gibt es einen "Vorsprung" der non-verbalen Kommunikation zur verbalen Kommunikation von 1,9 Millionen Jahre!

Ich schliesse daraus: der Mensch ist Spezialist in der non-verbalen Kommunikation.

Zusammenfassung des bisherigen